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Flügel und Pianos von Weltruf
Die
wirklich großen Dinge brauchen ihre Zeit. Denn sie haben meist klein
angefangen. Das gilt auch für die Geschichte der Pianofortefabrik
SEILER, die heute zu den großen europäischen Herstellern von Flügeln
und Pianos der internationalen Spitzenklasse zählt. 1849 war an
eine solche Entwicklung noch nicht zu denken. Doch Eduard Seiler,
der in diesem Jahr in Liegnitz mit der handwerklichen Fertigung
von Klavieren begann, hatte schon damals eine große Vision: Flügel
und Pianos zu fertigen, die professionellen Ansprüchen gerecht werden
und auch dem bildungs- und kulturfreudigen Bürgertum jener Zeit
den Zugang in die Welt der Musik eröffnen sollten.
Schon mit seinem
ersten Pianomodell schuf Eduard Seiler ein charakteristisches Merkmal,
das jedes SEILER Instrument bis heute auszeichnet: den unverwechselbaren,
transparenten SEILER-Klang. Bereits 1872 wurde SEILER in Moskau
für seine überragende Qualität mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Mit dem Erfolg wächst auch das Unternehmen. Nach dem Tod seines
Vaters übernimmt Johannes Seiler 1875 eine Manufaktur, die bereits
120 Klavierbauer beschäftigt. Weitere Preise und Auszeichnungen
in Wien, Amsterdam, Melbourne, Chicago, Berlin und Mailand begründen
den Weltruf des Markennamens SEILER.
Johannes
Seiler erkennt sehr früh die Vorteile des kreuzsaitigen Bezuges,
der das Schwingungsverhalten des Resonanzbodens deutlich verbessert.
Schon hier zeigt sich die Innovationsfreude, die die SEILER Fertigung
bis heute charakterisiert. In derselben Zeit führt Johannes Seiler
konsequente Kontrollen zur Sicherung gleichbleibender Qualität ein.
Unter seiner Ägide wird SEILER Hoflieferant der Königinmutter von
Italien, der Kaiserin Auguste Viktoria und anderer bedeutender Königshäuser
in Europa. Auch unter Anton Seiler-Dütz, der als Schwiegersohn von
Johannes Seiler die Unternehmensführung 1923 übernimmt, setzt sich
die SEILER Erfolgsstory fort. Mit mehr als 430 Beschäftigten entwickelt
sich das Unternehmen zur „Größten Pianofortefabrik Ostdeutschlands“.
Pianisten und Künstler wie Enrico Caruso, Arthur Nikisch und Ruggiero
Leoncavallo begleiten ihre Weltkarriere mit SEILER Instrumenten.
SEILER beliefert die Bayreuther Festspiele und ist in den Konzertsälen
der Welt zu Hause.
Mit
dem Ende des Zweiten Weltkrieges verliert SEILER seine Produktionsanlagen
und das Stammhaus in Liegnitz. Nicht verloren geht dagegen das ererbte
Wissen aus mehr als 100 Jahren Klavierbau-Erfahrung. Denn Steffen
Seiler, der Sohn von Anton Seiler, stellt sich ab 1945 dem Neuanfang.
Bei Nacht und Nebel und unter Einsatz seines Lebens sichert er die
Gußplattenmodelle und Konstruktions-
zeichnungen und beginnt zunächst in Dänemark und ab 1961 im fränkischen
Kitzingen mit der Fertigung von SEILER Pianos nach Liegnitzer Vorbild.
Wie
kein zweiter verkörpert Steffen Seiler den Pionier- und Erfindungsgeist
des Hauses SEILER. Systematisch erweitert er die Modellpalette vom
Studioprogramm bis zum Konzertflügel der Meisterklasse. Mit immer
neuen Patenten entwickelt er den unverwechselbaren, transparenten
SEILER Klang weiter. Richtungsweisend ist sein Patent der Super-Magnet-Repetitionsmechanik
im Piano, revolutionär seine Entwicklung des SEILER DuoVox Systems.
Mit dieser patentierten akustischen Stummschaltung für lautloses
Üben an Flügel und Piano sowie der Anbindung an die musikalischen
Möglichkeiten der digitalen Klangwelten schlägt Steffen Seiler als
erster die Brücke ins 21. Jahrhundert. Er ist es auch, der als Gründungsmitglied
die „Gütegemeinschaft Deutsche Klaviere“ maßgeblich initiiert. Heute
ist SEILER weltweit die einzige Pianofortefabrik, die für alle Modelle
das „Gütezeichen RAL Deutsche Klaviere“ für geprüfte Qualität besitzt.
Diesem hohen
Qualitätsanspruch, der die langlebige Klangschönheit und Werterhaltung
für SEILER Musikliebhaber in aller Welt garantiert, fühlt sich
Ursula Seiler verpflichtet, die das Unternehmen SEILER
auf dem Weg ins nächste Jahrtausend führt. Um die einzigartige
Spielart, die Tonfülle und Klangreinheit der SEILER Flügel und -Pianos
für die Zukunft zu bewahren und weiterzuentwickeln. 
SEILER-Werke
Kitzingen 1998
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